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Die wilde Hilde möchte Vorlesen

 

Im Dingsda-Wald war es ein nieseliger Tag. Die Wolken hingen wie müde Kissen zwischen den Baumwipfeln, und das Moos sog jedes Tropfenplopp leise schmatzend auf.
Ferdinand saß unter einem Pilzdach und starrte missmutig auf sein klatschnasses Marmeladenbrot.
„Ich wollte heute Glitzerschleuderball spielen“, maulte Kwiepi. „Aber alles ist bäh.“


Hilde kam vorbeigeschwebt, eingehüllt in eine Decke mit Sternenmuster. In den Händen hielt sie ein dickes, zerfleddertes Buch.
„Dann machen wir heute das Schönste, was man an Regentagen tun kann“, sagte sie.
„Kekse essen?“, fragte der Knarl hoffnungsvoll.
„Fast. Vorlesen.“

Und so kam es, dass sich alle unter dem riesigen Blätterpavillon versammelten.
Hilde öffnete das Buch. Es raschelte wie trockenes Herbstlaub. Die Seiten dufteten nach Pfefferminztee, Abenteuer und einem winzigen Hauch Pilz.
Sie begann zu lesen – von fliegenden Flundern, von einer Eule mit Fernrohr und einem Kater, der das Lachen erfand.
Kwiepi rutschte immer näher. Ferdinand kaute langsamer. Die Waldmaus hatte große Augen.
Die Munkelrotte summte mit jeder neuen Wendung.
Dann war Kwiepi plötzlich dran. „ICH WILL AUCH LESEN! ICH MACH DIE STIMMEN!“
Er schnappte sich das Buch, hielt es verkehrt herum, brüllte: „DAS MONSTER KAM! ES SAGTE MARMELADE!“ Alle kicherten.
Ferdinand drehte das Buch richtig herum, klopfte Kwiepi sanft auf den Kopf und murmelte: „Das war... kreativ.“

Am Ende des Tages war es draußen immer noch grau. Aber im Dingsda-Wald glitzerte es.

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