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Die wilde Hilde macht etwas Platz für jemand neues

 

Ein neues Wesen war im Dingsda-Wald angekommen. Es war klein, unsicher und trug ein zerknittertes Blatt mit einer Adresse darauf, die niemand lesen konnte.

„Woher kommst du?“, fragte Hilde sanft. „Von... irgendwo. Ich glaub, ich bin jetzt allein.“

Das Wesen – es hieß Finchen – hatte große Augen und eine Stimme wie ein Windhauch.

Die Waldmaus bot sofort ein Stück Kuchen an. „Ich hab keine Eltern mehr“, sagte Finchen. „Und ich weiß nicht, wohin.“

Stille breitete sich aus. Kwiepi flüsterte „Oh“ und legte seine Stirn an Finchen. Die Munkelrotte schlich sich heran und setzte sich ganz dicht dazu. Ferdinand sagte nichts, aber rückte sein Marmeladenbrot ein Stück zur Seite – ein stilles Willkommen.


Hilde setzte sich ins Moos. „Du bist nicht allein. Du bist bei uns.“

Finchen blinzelte. „Aber wo wohne ich?“

„Na hier. Bei uns. Wer sagt denn, dass man nur ein Zuhause haben kann?“

Ferdinand grummelte. „Ich hab noch Platz in der Küchenschublade. Oder im Teeschrank. Wenn sie klein genug ist, kann sie in meine alte Marmeladenmütze ziehen.“

Finchen leuchtete. „Ich mag Teeschränke.“

Und so bekam sie ihr erstes eigenes kleines Zimmerchen – direkt zwischen Fencheltee und Johannisbeermarmelade. Hilde zauberte ihr ein weiches Kissen aus Dampf und Daunen. Ferdinand sortierte die Gläser ein Regal tiefer. Und Kwiepi beschriftete die Tür mit Glitzer: FINCHENS ZIMMER– Eintritt mit Herz.

Abends lag Finchen in ihrem winzigen Nest, während draußen der Regen leise tanzte. Durch einen Schlitz kam der Duft von warmem Tee. Stimmen murmelten. Jemand kicherte. Und ein Marmeladenbrot wurde irgendwo zur Hälfte aufgegessen.

„Also... ihr seid jetzt meine Familie?“, fragte Finchen.

Hilde öffnete leise die Tür und schob eine Erdbeere hinein. „Familie ist nicht, wer dich gemacht hat. Familie ist, wer dich hält.“

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