Im Dingsda-Wald wurde selten geschrien. Höchstens, wenn Kwiepi sehr aufgeregt war (also immer). Oder wenn jemand auf ein besonders quietschendes Moos trat.
Aber reden? Das taten viele.
Reden wie Plapper. Quasseln wie die Munkelrotte. Oder nuscheln wie der Knarl.
Was selten passierte, war: Zuhören.
Also lud die Nachtschattenkirschkröte zum Tee.
„Bringt mit, was euch bewegt“, sagte sie. „Und tragt Socken. Es ist kühl.“
Am Abend versammelten sich die Tiere auf der warmen Steinterrasse am See. – Hilde brachte ihren Lieblingsbecher und einen Stein, den sie beim Stolpern gefunden hatte.
Kwiepi hatte drei Socken an einem Flügel und war furchtbar nervös.
Ferdinand hatte eine Thermoskanne mit Liste.
Die Munkelrotte trug ein sehr dramatisches Gedicht vor.
Und dann tranken sie Tee. Erst Himbeer. Dann Fenchel. Dann irgendwas, das glitzerte.
„Ich fühl mich manchmal zu viel“, sagte die Schnattergans.
„Ich bin manchmal traurig, aber dann lache ich trotzdem“, sagte die Waldmaus.
„Ich will immer alles richtig machen“, murmelte Ferdinand.
„ICH BIN LAUT WEIL ICH ANGST HAB ZU VERSCHWINDEN!“, schrie Kwiepi und kauerte sich dann zusammen.
Stille.
Dann legte Hilde ihm eine Socke auf den Kopf. Die Kröte reichte Tee.
Die Munkelrotte flüsterte: „Du verschwindest nicht. Du leuchtest bloß manchmal anders.“
Ferdinand murmelte: „Ich hör euch alle. Und das ist... schön.“
Am Ende des Abends brannten kleine Lichter. Und jeder hatte was gesagt. Oder nur zugehört. Oder geschwiegen. Aber niemand war allein.

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