Direkt zum Hauptbereich

Die wilde Hilde macht ein Planschfest

 

Es war ein warmer, flimmernder Tag im Dingsda-Wald. Der See glitzerte in der Sonne, Libellen tanzten wie Miniaturdrachen über dem Wasser, und irgendwo in der Nähe klang das leise Plitsch einer gut gelaunten Munkelrotte, die Wassermurmeln sortierte.

Heute war großes Teichplanschen. Ein Ereignis, das im Dingsda-Wald fast so gefeiert wurde wie das Zimtschneckenfestival – nur mit mehr Wasser und weniger Klebrigkeit.

Kwiepi flatterte in wilden Spiralen durch die Luft und schrie: „KWIEPI BADET! MIT FROSCHEN! MIT GLITZER!“

Hilde hatte einen Zaubertrank aufgesetzt, der angeblich gegen Sonnenbrand und schlechte Laune helfen sollte. Sie nannte ihn liebevoll „Zimttee mit Chlorgeist“. Ob er schmeckte, war allerdings nicht überliefert.

Ferdinand saß mit einem Marmeladenbrot im Maul auf einem Handtuchstapel und brummte: „Wenn noch ein Badetuch über meinen Schwanz fliegt, beiß ich rein.“


Etwas abseits der fröhlichen Lichtung stand ein neues Wesen. Rund. Flauschig. Mit winzigen Füßchen, großen Augen – und einer überdimensionierten Badeente unterm Arm.

„Das ist Schnubbeline“, flüsterte die Munkelrotte von einem Ast aus. „Sie wohnt noch nicht lange hier. Heute ist ihr erster Badetag. Vielleicht. Wenn sie sich traut.“

Hilde legte ihren Zauberlöffel beiseite und ging zu ihr hinüber. „Hey du. Lust auf Wasser?“

Schnubbeline wich etwas zurück. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Windhauch. „Ich... ich glaube nicht. Ich bin zu dick. Ich pass nicht rein. Und... alle gucken.“

Kwiepi landete vor ihr wie ein gelber Wirbelwind. Seine Federn waren nass, seine Augen glänzten. „DU BIST FLAUSCHIG! FLAUSCH IST GUT! ICH BIN KUGELQUATSCH! DU BIST ZUCKERLUFT! KOMM!“

„Ich bin nicht hübsch“, flüsterte Schnubbeline. „Nicht sportlich. Nicht wie die anderen.“

Ferdinand kam heran, sein Fell noch leicht verschmiert mit Johannisbeermarmelade. „Du siehst aus wie jemand, der in einer Teichlache schwebt wie eine königliche Dampfnudel. Und das ist eines der höchsten Dingsda-Komplimente.“

Hilde grinste. „Niemand muss. Aber jeder darf. Und wer guckt, kriegt einen nassen Waschlappen ins Gesicht.“

Schnubbeline blickte sich um. Da war die Waldmaus mit ihrer Zahnlücke, wie sie quietschend auf einem Seerosenblatt rutschte. Der Knarl, der schnarchend auf einem aufblasbaren Pilz trieb. Die Giraffenschnecke, die elegant unter Wasser tauchte – nur mit den Fühlern noch sichtbar. Niemand sah aus wie der andere. Und niemand schien das zu stören.

Langsam tappte Schnubbeline an den Teichrand. Das Wasser glitzerte. Ihre Badeente gab ein entschlossenes Quiek von sich. Und dann – ein Plumps. Ein Spritzer. Ein lautes, herzhaftes Jauchzen.

„ICH BIN DRIN!“, rief sie. „UND ICH GEH NICHT MEHR RAUS!“

Ein paar Frösche applaudierten. Kwiepi warf Seerosen wie Konfetti. Hilde ließ ein paar Wasserfunken aus dem Zauberstab steigen. Und Ferdinand? Der leckte sich die Marmelade aus dem Pelz und brummte: „Na also. Endlich mal jemand, der ein ordentliches Plansch-Eintrittsgeräusch macht.“

Schnubbeline aber? Die glitzerte. Nicht außen. Sondern innen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Warum im Dingsda-Wald niemand gegessen wird

Die wilde Hilde und alle dichten

Die wilde Hilde und der grüne Rüsselgnom auf Glitzerurlaub