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Hilde ist ich und du bist du!


 Im Dingsda-Wald gab es viele Arten zu sein. Manche quiekten laut, manche murmelten leise. Manche tanzten gern rückwärts, andere schlichen am liebsten im Kreis. Manche waren grün mit Punkten, andere beige mit Flauschen.
Und dann kam
Fremmbjörn.
Fremmbjörn war... nun ja. Anders. Er war groß wie ein Kleiderschrank, aber lief auf Zehenspitzen. Er hatte eine Stimme wie ein Glockenspiel – nur rückwärts. Und sein Körper bestand aus Wolle, Moos, Lianen und einem Hauch Sternenstaub.
„Was bist du denn?“, fragte die Waldmaus mit großen Augen. „Ich... bin Fremmbjörn“, sagte Fremmbjörn. Und zuckte entschuldigend mit seinem Flügelohr.
Die Tiere tuschelten. Die Munkelrotte war ganz aus dem Häuschen. „So was gab’s hier noch nie!“ „Vielleicht ist er gefährlich?“ „Oder zu groß?“
Ferdinand war skeptisch. „Vielleicht... ist er einfach nur eigenartig.“

Fremmbjörn versuchte, sich anzupassen. Er schnatterte wie die Schnattergans (aber rückwärts). Er warf sich beim Spiel in den Laubhaufen (und blieb stecken). Er baute ein Nest (auf dem Kopf).
„Ich passe nicht hierher“, flüsterte er.
Da kam Hilde. Mit verwuscheltem Haar, zwei Marmeladenbroten und einem Blick wie warmer Tee.
„Ich hab dich beobachtet. Du bist gut im Sachen-Tragen. Du summst im Schlaf. Und du baust das flauschigste Moosbett, das ich je gesehen hab.“
„Aber ich bin nicht wie die anderen.“
„Genau das ist doch gut!“, sagte Hilde. „Stell dir vor, alle wären gleich. Das wär ja schlimmer als kalte Suppe mit Pappdeckel.“
Am nächsten Tag half Fremmbjörn beim Bau eines Kissenlabyrinths. Niemand kam so gut an hohe Zweige. Niemand kuschelte so warm. Niemand konnte besser zuhören.
„Ich bin ich“, sagte Fremmbjörn. „Und du bist du“, sagte Ferdinand und reichte ihm ein flauschiges Blatt.
Und die Munkelrotte murmelte: „So verschieden. So wunderbar.“

Denn im Dingsda-Wald war Platz für alle – besonders für die, die anders waren.

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