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Die wilde Hilde und die Glitzerlinge vom Flatterbach

 


Es war ein Dienstag. Und wie jeder Dienstag im Dingsda-Wald begann er mit einem leichten Plitschregen, einer marmeladigen Morgenluft und einem fröhlichen Munkeln der Munkelrotte. Alles war wie immer. Bis plötzlich – Glanz kam. Zuerst war es nur ein Schimmer. Dann ein Flirren. Dann ein ganzer Funkelsturm. Sie flogen in einer perfekten Formation über die Lichtung, ihre Flügel schillerten in allen Farben, ihre Stimmen klangen wie Glöckchen auf Glitzerlimo. Die Glitzerlinge waren da.
„Uuuh...“, machte die Waldmaus.
„Aaaah!“, rief die Schnattergans.
„Oje.“, murmelte Ferdinand.
Die Glitzerlinge waren Falter, aber nicht irgendwelche. Ihre Flügel waren bestickt mit Sternenstaub, ihre Beinchen wippten im Takt zu einer Musik, die niemand sonst hörte. Und sie hatten Meinungen. Viele.
„Dieser Farn?
Völlig out.“ „Wer trägt denn bitte noch Moos als Mütze?“ „Oh. Diese Hütte braucht dringend Glitzerkanten. Und ein Windspiel. Vielleicht mit Klangschaleneffekt.“

Die Tiere waren beeindruckt. Und verunsichert. Bald begann ein Wettbewerb des Glanzes. Die Waldmaus polierte ihre Vorratskammer. Die Schnattergans ließ sich bunte Federn einflechten. Selbst Hilde kicherte leise, als sie sich ein paar Goldsprenkel ins Haar zauberte.
Nur Ferdinand blieb misstrauisch. „Was bringt all das Funkeln, wenn keiner mehr sich selbst erkennt?“
Aber niemand hörte auf ihn. Alle waren zu sehr damit beschäftigt,
besser zu wirken.
 
Bis zum Regen. Der kam am Freitag. Wie immer. Nur diesmal war er gründlicher.
Ein Glitzerling verlor seine Farbe. Ein anderer landete im Lehmloch. Der Kleinste von ihnen – winzig, zittrig, mit nur einem Flügel noch funkelnd – setzte sich zitternd auf Hildes Schulter.
„Wir wollten nur mal dazugehören. Mal wo ankommen. Und glänzen. Damit man uns sieht.“
Hilde holte ein großes Blatt, tupfte vorsichtig den Lehm weg. Dann rief sie: „Wer will Wackelpudding im Regen essen?“
Alle Tiere stürmten zusammen. Mit Schlamm an den Pfoten, zerzausten Frisuren und dreckigem Glitzer auf der Nase.

Und es war das schönste Fest seit dem Kaktus-Kartoffel-Konzert.

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