Es war ein sonniger Tag im Wald.
Hilde war auf Pilzsuche.
Ferdinand suchte… Frühstück. „Da!“, rief er.
Ein dicker Klecks Marmelade mitten auf dem Waldboden.
„Was für ein Glück!“
Er setzte sich drauf.
Gemütlich.
Zufrieden.
Verklebt.
Doch dann begann der Boden zu beben.
Es kribbelte.
Es krabbelte.
Und plötzlich waren sie da:
Die Ameisen. Hundert. Tausend. Eine Million. Mindestens.
„Der heilige Thron wurde besetzt!“, rief eine.
„Es ist das Zeichen!“, wisperte eine andere.
„Lang lebe der Marmeladenkönig!“
Ferdinand starrte.
„Was…?“
Da bekam er schon ein Krönchen aufgesetzt.
Und ein Lolli-Zepter in die Pfote gedrückt.
Hilde kam gerade rechtzeitig zurück – und prustete los.
„König Ferdinand der Erste? Ich kann nicht mehr!“
Die Ameisen verbeugten sich ehrfürchtig.
Sie errichteten einen Thronsaal aus Tannenzapfen.
Sie trugen Ferdinand auf einem Blattkissen durch den Wald.
Er bekam Frühstück aus Tauperlen und Zuckerkristallen.
Er durfte „Ja“ und „Nein“ sagen – und alle gehorchten.
„Gar nicht so übel“, murmelte er. „Aber irgendwie… auch anstrengend.“
Am dritten Tag trat eine Generalameise an ihn heran.
„Hoheit“, sagte sie, „wir sind bereit. Der Krieg gegen die Borkenkäfer kann beginnen!“ Ferdinand verschluckte sich fast an seinem Zepter. „Krieg?! Ich will doch nur schlafen und Marmelade essen!“
„Aber Majestät – ihr habt unterschrieben!“
Auf der Rückseite eines Himbeerblattes stand:
„Klar, mach doch. – Ferdinand“
„Das war für ein Nickerchen gedacht!“, rief er entsetzt.
Er wandte sich an Hilde.
Sie lachte erstmal. Dann baute sie mit den Ameisen ein Versammlungszelt.
„Hört zu“, sagte sie. „Euer König ist ein Pazifuchs.
Kein Kämpfer. Kein Brüller. Kein Borkenkäfer-Hasser.“
Die Ameisen überlegten.
Sie summten.
Sie flüsterten.
Und beschlossen:
König ja – Krieg nein.
Marmelade für alle!
Ferdinand dankte ab.
Er bekam zum Abschied eine Krone aus Gänseblümchen.
Und ein selbst gebackenes Dankeschön-Brot.
„War ganz schön viel Verantwortung“, murmelte er.
„War ganz schön klebrig“, meinte Hilde.
Dann rollte er sich auf den Rücken.
„Ich bleib lieber einfach ich.
Flauschig, fetzig und friedlich.“

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