Als Hilde an diesem Morgen aufwachte, wirkte alles wie immer.
Der Wind kitzelte die Blätter.
Die Sonne blinzelte neugierig durchs Geäst.
Und Ferdinand schnarchte friedlich auf seinem Lieblingsmoospolster.
Doch irgendetwas... war anders.
„Flauschi?“, fragte Hilde verschlafen. „Warum bist du... grau?“
Ferdinand öffnete ein Auge. Dann das andere.
Langsam hob er die Pfote. Und starrte.
„Ich bin… nicht mehr orange.“
„Du bist komplett grau. Sogar dein Bauchwirbel.“
„Aber... ich hab mich doch gar nicht gewaschen!“
Hilde runzelte die Stirn.
„Hast du irgendwas Falsches gegessen?“
„Nur drei Blaubeeren. Und einen poetischen Gedanken.“
„Vielleicht bist du... krank?“
„Ich fühl mich nicht krank. Ich fühl mich nur... leer.“
Sie gingen zur Munkelrotte.
Die munkelte aufgeregt durcheinander.
„Verlust der Farbe? Das ist selten!“
„Kommt nur vor, wenn jemand nicht mehr weiß, wer er ist.“
„Oder denkt, er müsste jemand anders sein!“
Ferdinand schnaubte.
„Ich weiß sehr wohl, wer ich bin! Ich bin Ferdinand.
Flauschig. Fetzig. Ein bisschen faul, ein bisschen brillant.
Ich rolle! Ich kuschle! Ich... bin doch ich, oder?!“
Aber niemand antwortete.
Denn seine Stimme klang... blass.
Und Ferdinand war grau.
Hilde nahm seine Pfote.
„Flauschi. Wir finden deine Farben wieder.
Nicht durch Suchen.
Sondern durch Spüren.“
Und so begannen sie ihre Reise.
Zuerst zu den Lachpfützen.
Sie warfen sich Quatschworte ins Gesicht,
bis die Tropfen vor Freude spritzten.
Ferdinand grinste –
und ein winziger Farbtupfer kehrte in seinen Schweif zurück.
Dann gingen sie zum Beerenorchester.
Die Himbeeren sangen, die Brombeeren brummten,
und Ferdinand summte leise mit.
Seine Ohren färbten sich zartrosa.
Am Ende erreichten sie den Spiegelbaum.
Ein Baum, der kein Spiegelbild zeigte –
sondern nur das, was man fühlte, wenn man sich selbst begegnete.
Ferdinand sah hinein.
Ganz still.
Dann flüsterte er: „Ich bin traurig. Ich hab mich verloren. Weil ich dachte,
ich müsste... bunter sein. Lauter. Wichtiger. Irgendwie mehr.“Der Baum seufzte
leise.
Ein warmer Wind strich durch das Geäst.
Und dann... kam die Farbe zurück. Von den Pfoten bis zur Schnauze.
Orange. Glühend. Flauschig.
Wie eine kuschelige Herbstsonne auf vier Pfoten.
„Du bist wieder du!“, rief Hilde.
Ferdinand nickte.
„Und ich war’s die ganze Zeit. Nur… manchmal vergisst man’s kurz.“

Kommentare
Kommentar veröffentlichen