Es war einer dieser Tage, an denen alles leicht war.
Die Blätter tanzten im Wind.
Die Munkelrotte summte ein Liebeslied – in drei Varianten gleichzeitig.
Und Ferdinand… war still.
Still, wie er nur war, wenn in seinem Inneren etwas Großes passierte.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Nur dieses tiefe, glitzerlose Schweigen.
Hilde merkte es sofort.
„Flauschi? Du rollst nicht. Du glitzerst nicht. Du schnarchst nicht mal. Was
ist los?“
Ferdinand hob den Blick.
Zeigte nach oben.
„Da.“
„Was da?“
„Die da.“
Am Himmel schwebte eine Wolke.
Nicht besonders groß.
Nicht besonders auffällig.
Aber ihre Form… war eindeutig:
Ein Fuchs.
„Sie sieht aus wie... du“, sagte Hilde leise.
Ferdinand nickte.
„Sie ist ich. Nur... schöner.
Und frei.
Und still.
Und... irgendwie perfekt.“
Von diesem Moment an war Ferdinand verliebt.
Nicht kitschig. Nicht laut.
Einfach nur... verträumt.
Er folgte der Wolke durch den Wald.
Über Hügel.
An Blumen vorbei, die kichernd ihre Blätter zusammenschlugen.
Er sprach mit ihr.
Lächelte.
Manchmal weinte er leise, wenn sie weiterzog
Hilde ließ ihn.
Lange.
Sie sah, wie er aufblickte – mit dieser Mischung aus Staunen, Sehnsucht und
einem Hauch Schmerz.
Eines Abends saßen sie nebeneinander.
Die Wolke hing tief.
Fast so, als wäre sie müde.
„Ich glaub, sie bleibt heute Nacht hier“, flüsterte Ferdinand. „Vielleicht...
will sie bei mir bleiben.“
Hilde legte den Kopf schief. „Oder sie wartet darauf, dass du loslässt.“
Ferdinand schwieg.
Dann sagte er leise:
„Ich hab sie nie berührt. Nie geküsst. Nie gekrault.“
Hilde sah ihn an.
„Wolken sind nicht zum Festhalten da“, sagte sie sanft.
„Sie sind zum Anschauen. Zum Träumen. Zum Weiterziehen.“
Ferdinand schloss die Augen.
Atmete tief.
Und nickte.
Einmal. Langsam.
Am nächsten Morgen war die Wolke weg.
Ganz still.
Ganz weich.
Wie ein leiser Kuss auf die Stirn.
Ferdinand stand lange da.
Dann wandte er sich zu Hilde.
Ein kleines Lächeln in den Augenwinkeln.
„Weißt du… es war nicht schlimm, dass sie ging.“
„Nein?“
„Weil sie mir gezeigt hat, wie weich ich eigentlich bin.
Und das... bleibt.“

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