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Die wilde Hilde und die Fußspur die nie aufhört

 


Es war ein nebliger Morgen im Wald.
Hilde stapfte durch feuchtes Laub,
Ferdinand rollte langsam nebenher –
noch im Halbschlaf, mit halbgeschlossenen Augen.
„Riecht nach... Geheimnis“, murmelte er.
„Riecht nach Frühstück“, sagte Hilde.
„Oder beides“, fügte sie grinsend hinzu.
Doch dann blieben sie abrupt stehen.
Mitten im Moos: eine Spur.

Kein Weg aus vielen Abdrücken.
Nur einzelne, große, runde Schritte.
Seltsam.
Und in gleichmäßigem Abstand –
einer nach dem anderen,
weiter und weiter.
„Sieh dir das an“, flüsterte Hilde.
„Jemand... oder etwas... ist hier entlang. Und zwar schon sehr lange.“

Sie folgten der Spur.
Erst zögernd.
Dann einen Hügel hinauf.
Über einen umgefallenen Baum.
Immer weiter.

„Vielleicht ist es ein Troll?“, überlegte Hilde.
„Oder ein verlorener Riesendachs mit Wanderschuhen?“
„Oder“, sagte Ferdinand langsam, „jemand, der sich selbst sucht.“
Hilde sah ihn überrascht an. „Das war poetisch.“
„War ein Versehen“, murmelte er.

Die Spur hörte nicht auf.
Sie zog sich durch Dornen,
durch Bäche,
sogar über einen kleinen Teich –
als hätte das Wesen für einen Moment über das Wasser gegangen.

Unterwegs begegneten sie der Munkelrotte.
„Wisst ihr, wem diese Spur gehört?“, fragte Hilde.
Die Munkel flüsterten:
„Pssssst. Es ist eine Gedankenspur. Die Spur, die man hinterlässt, wenn man zu viel fühlt. Zu viel fragt. Zu viel loslässt. Und Kopfsalat.“

Ferdinand wurde still.
„Also... eigentlich von allen?“
Die Munkel nickte. „Oder von dir.“

Am Abend wurde der Wald leiser.
Die Spur bog nicht plötzlich ab.
Sie machte eine Kurve.
Dann noch eine.
Und dann...
Hilde hob den Kopf.
„Flauschi... Wir sind wieder da.“
Sie standen genau dort, wo sie morgens begonnen hatten.
Vor dem ersten Abdruck.
Der erste war jetzt der letzte.
Und der letzte... wieder der erste.

„Die Spur ist ein Kreis“, murmelte Ferdinand.
Hilde lächelte.
„Oder ein Weg, der nicht von A nach B führt –
sondern zu sich selbst.“
Sie setzten sich ins Moos.
Leise.
Gedankenvoll.
Und blieben eine Weile.

„Das war keine Jagd“, sagte Hilde.
„Das war... eine Erinnerung.“

 

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