Es war ein windiger Morgen.
Nicht stürmisch.
Eher einer dieser „Ich puste dir den Pony schräg“-Winde.
Frech, verspielt, ein bisschen verträumt.
Hilde lag auf dem Rücken im Gras, kaute an einem Grashalm
und beobachtete die Wolken, wie sie über den Himmel zogen.
Ferdinand döste neben ihr.
Irgendwo im Unterholz flüsterte die Munkelrotte:
„Es ist unterwegs. Es ist gold. Es ist Glimmer. Und es bleibt.“
Und dann –
kam er.
Ein Wunsch.
Ganz plötzlich.
Wie ein flüchtiger Gedanke mit Glanz.
Er sah aus wie ein kleiner, flatternder Funken.
Goldglänzend.
Schwebend.
Leicht wie ein Sonnenstrahl auf einem Luftkeks.
Und er... klebte.
An Hilde.
An ihrem Ärmel.
An ihren Gedanken.
„Was ist das?“, murmelte Ferdinand schläfrig.
„Ein Wunsch.“
„Wünsch dich weg!“
„Das funktioniert nicht! Er... bleibt!“
Sie versuchten alles:
Hilde schüttelte sich.
Ferdinand pustete mit voller Fuchs-Puste.
Ein Specht trommelte rhythmisch drauf ein.
Doch der Wunsch blieb.
Summend.
Glitzernd.
Und... muckelnd.
Nicht laut – aber da. Ganz deutlich da.
„Vielleicht will er, dass du dir was wünschst?“, überlegte Ferdinand.
„Aber ich hab mir doch gar nichts gewünscht!“
„Tja… vielleicht hat er sich dich gewünscht.“
Hilde starrte ihn an.
Dann den Wunsch. „Also gut. Was willst du?!“
Der Wunsch zitterte.
Dann – ganz leise – flüsterte er:
„Ich bin gemacht worden.
Von jemandem, der es nicht ausgehalten hat, mich zu behalten.
Und nicht stark genug war, mich zu erfüllen.
Jetzt... such ich jemanden, der weiß, was mit mir zu tun ist.“
Hilde schluckte.
Ferdinand rückte näher.
„Der Wunsch ist allein“, sagte er leise.
„Und er will nicht erfüllt werden.
Er will... gehört werden.“
Also gingen sie mit ihm durch den Wald.
Der Wunsch klebte kurz an anderen –
an einem Vogel. Einer Schnecke. Einer Blume.
Doch alle sagten:
„Ich hab keinen Platz für sowas.“
„Ich hab schon genug eigene Wünsche.“
Oder einfach:
„Geh weg, du glitzerndes Ding.“
Am Ende setzten sich Hilde und Ferdinand auf eine Wurzel.
Der Wunsch lag auf Hildes Hand – zitternd.
Klein. Gold.
„Vielleicht musst du nirgendwo hin“, sagte sie.
„Vielleicht musst du... einfach nur bleiben dürfen.
Ohne was zu wollen.“
Ferdinand nickte.
„Wünsche sind keine Befehle.
Manchmal sind sie einfach Gefühle mit Glitzer.“
Und da – wurde der Wunsch weich.
Er rollte sich zusammen.
Ganz klein.
Ganz leicht.
Und schlief ein.
Nicht erfüllt.
Nicht vergessen.
Nur angenommen.
Seitdem trug Hilde ein kleines, goldenes Flimmern bei sich.
Nicht sichtbar.
Aber spürbar.
Ein Wunsch, der nie wegging –
weil er endlich angekommen war.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen