Zuerst nieselte es.
Dann nieselte es mehr.
Und schließlich niesste es.
„Haaaatschi!“, machte der Himmel.
Und plötzlich regnete es – Taschentücher.
Hilde trat vor ihre Tür und staunte.
Ein Eichelhäher balancierte sich ein Papiertaschentuch auf den Kopf.
Ein Frosch baute sich daraus ein Zelt.
Und Ferdinand… schnüffelte interessiert.
„Ich glaub, der Himmel ist krank“, sagte er.
„Oder er weint in praktischen Einzelportionen.“
Bald wurde es schlimmer.
Die Sonne hustete.
Der Wind keuchte.
Und die Wolken jammerten leise wie erkältete Schafe.
„Wir müssen was tun!“, rief Hilde entschlossen.
„Wir können doch nicht einfach zusehen, wie der Himmel Schnupfen hat!“
Sie machten sich an die Arbeit.
Brauten Kräutertee – eimerweise.
Sammelten Hustenbonbons vom Minzbaum.
Und kochten eine Suppe, so stark, dass selbst ein Schnupfen davon ins Schwitzen
kam.
Ferdinand klopfte dem Wind auf den Rücken.
Hilde pustete warmen Kamillendampf zur Sonne hoch.
Aber es reichte nicht.
„Der Himmel friert“, flüsterte Hilde. „Ich spür’s.“
Ferdinand dachte kurz nach.
Dann sagte er: „Dann nähen wir ihm eine Decke.“
„Wie groß?“
„Na… waldgroß.“
Sie nähten Blätter an Spinnweben.
Knoteten Regenbogenhaare an weiches Moos.
Und die Munkelrotte half mit – sie spann alte Geschichten ein, die wärmsten, die
es gab.
Am Abend breiteten sie die Decke aus.
Einmal über den ganzen Wald.
Von den höchsten Tannenzipfeln bis hinunter zum Bachlauf.
Der Himmel kuschelte sich hinein.
Die Wolken seufzten wohlig.
Und dann… war Ruhe.
Am nächsten Morgen war alles wieder hell.
Die Sonne lachte.
Die Vögel zwitscherten leise Entschuldigungslieder.
Und vom Himmel flatterte ein Brief herab:
„Danke für den Tee.
Danke für die Decke.
Und danke, dass ihr an mich gedacht habt.
– Euer Himmel“
Ferdinand lächelte.
„Also… falls der Himmel mal Bauchweh hat, ich hab da ein Rezept für
Fenchelauflauf.“
„Oder wir machen ihm einen Wärmflaschen-Mond“, schlug Hilde vor.
Und dann lachten sie beide. Warm. Und wolkenfrei.

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