Es roch nach Abenteuer.
Und nach Teig. Viel Teig.
Hilde war knietief im Mehl, während sie mit wilden Bewegungen einen Sauerteig bezwang.
„Heute zieh ich ein richtig wildes Brot auf! Für die neue Nachbarin. Willkommen und so. Das macht man so bei Menschen. Also bei manchen. Ich find's gut.“
Ferdinand war weniger begeistert. „Kann das Brot nicht einfach ein kleines Willkommensschild hochhalten? Oder ein Glitzerfeuerwerk abfeuern?“
„Ach Quatsch. Wir bringen Brot, Salz – und du deine weltberühmte Marmelade.“
Ferdinand strahlte. „Dann nehm ich die Himbeer-Kiwi-Kaktus-Marmelade. Die, die beim Öffnen singt.“
Doch als sie ankamen, war niemand da.
Dafür ein Schild:
„Bin gleich zurück – musste noch die Flötenkakteen gießen.“
„Flötenkakteen?“, fragte Ferdinand.
„Klingen bei Wind wie Jazzmusik“, murmelte Hilde. „Komm, wir lassen alles auf dem Baumstumpf. Brot, Salz, Marmelade und ein paar Blumen aus dem Wipfelwiesenwinkel.“
Am Abend saß eine merkwürdige Gestalt auf der Lichtung. Stachlig, mit Hut, einem Pinsel hinterm Ohr – und sie spielte mit dem Kakteenorchester einen Walzer.
Die Willkommensgaben standen vor ihr – bis auf das Brot. Das war weggelaufen. Typisch.
„Ich glaub, ich mag’s hier“, sagte sie.

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