Es war eine dieser Nächte, in denen der Wald so still war, dass man sogar die Glühwürmchen pupsen hörte.
Hilde lag auf dem Dach ihres Baus und starrte in den Himmel.
„Irgendwas stimmt nicht“, murmelte sie.
Neben ihr schnarchte Ferdinand, ihr fetter, fetziger Fuchs.
Er wackelte ein bisschen im Schlaf, träumte wahrscheinlich von Marmeladenbroten
oder rollenden Wettrennen.
Hilde piekste ihn mit einem Grashalm.
„Flauschi... wach auf. Der Mond ist weg.“
Ferdinand blinzelte. „Was meinst du mit ‘weg’? Vielleicht hat er nur Nachtschichtfrei.“
Doch Hilde zeigte nach oben.
Keine Mondsichel. Kein Halbmond. Kein Käsekrümel. Nichts.
Stattdessen hing da nur ein Zettel zwischen zwei Sternen.
Hilde kletterte an einer Liane hoch, riss ihn ab und las:
„Bin mal weg. Urlaub. Grüße, der Mond.“
Ferdinand setzte sich langsam auf.
„Ich glaub, ich hab Schnuppe im Ohr. Hat der Mond gerade Urlaub genommen?!“
„Offenbar ja“, sagte Hilde.
„Aber was passiert, wenn er nicht da ist?“
Am nächsten Abend wussten sie es:
Der Wald war... komisch.
Die Eule flog in Spiralen, weil sie keine Orientierung hatte.
Die Glühwürmchen streiten sich, wer jetzt „Mondersatzchef“ sei.
Der Bach lief langsamer, weil er nicht wusste, ob es noch Nacht war.
Ein Dachs lief schlafwandelnd herum, mit einem Kissen auf dem
Kopf und rief:
„Ich kann nur schlafen, wenn ich Mondlicht im Nacken hab!“
„Okay“, sagte Hilde. „Wir brauchen einen Ersatzmond.“
„Aus was?“, fragte Ferdinand. „Käse haben wir nicht. Und mein Hintern leuchtet
nur, wenn ich Pupssuppe esse.“
Sie gingen ans Werk.
Hilde formte aus einer alten Käseglocke und Silberfolie eine Kugel.
Ferdinand kramte eine alte Lichterkette aus dem Zauberschuppen.
Die Glühwürmchen halfen – natürlich nicht ohne Diskussion.
„Ich bin heller!“ –
„Aber ich flackere hübscher!“ –
„Ruhe jetzt, ihr Leuchtlümmel!“, knurrte Ferdinand.
Gemeinsam zogen sie die Ersatzkugel mit einem Drachenseil an
einen besonders hohen Baum.
Sie hing dort, glänzte silbrig, wackelte leicht im Wind.
Der Ersatzmond war da.
Und der Wald – seufzte erleichtert.
Drei Nächte später kehrte der echte Mond zurück.
Er war leicht gebräunt. Trug Sonnenbrille. Und eine Margarita.
Er sah die improvisierte Kugel, sah die leuchtenden
Glühwürmchen,
sah den Dachs, der friedlich schlief mit einem „Danke-Mond“-Schild in der Hand
–
und lächelte.
Er schrieb:
„Danke für die Vertretung.
War der schönste Urlaub seit 5.000 Jahren.
Ich bring beim nächsten Mal Mondkekse mit.“
Hilde lehnte sich zurück.
„Weißt du, Flauschi… wir sind ziemlich gute Ersatzhimmelskörperbastler.“
Ferdinand grinste.
„Aber das mit der Pupssuppe... das war ein Scherz.“

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