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Die Wilde Hilde und der Faden, der alles verbindet

 


Es war ein stiller Nachmittag.
Viel zu still.
Keine Munkel. Kein Quak. Kein Wispern im Wind.
„Irgendwas ist heute... zart“, flüsterte Hilde.
Ferdinand schlich neben ihr her.
„Oder es ist einfach langweilig.“
Doch plötzlich blieb Hilde stehen.
Ein Faden.
Rot. Dünn.
Lag einfach da – mitten auf dem Waldboden.
„Was ist das?“, fragte Ferdinand.
„Ein Wollrest?“
„Ein Gedanke?“
„Ein Geheimnis auf Schnur?“
Sie folgten ihm.
Der Faden schlängelte sich durch Farn und Wurzelwerk,
führte sie zu einer Maus.
Er war an ihrem kleinen linken Beinchen festgebunden – ganz sanft.
Doch sie spürte ihn nicht.
„Hä? Nein, ich hab nichts festgemacht“, sagte sie.
„Der ist einfach da.“

Der Faden führte weiter.
Zur Eule.
Zum Hasen.
Zum Bären.
Ein Netz.
Fast unsichtbar. Und doch: alles war verbunden.

„Das ist... merkwürdig“, murmelte Ferdinand.
„Das ist... wunderschön“, flüsterte Hilde.
Da kam ein Dachs angeschlurft.
Verheddert. Verschlungen. Verstrubbelt.
„Uff! Ich... wollte ihn durchschneiden. Der hat mich genervt.
Jetzt... kleb ich drin.“
Hilde befreite ihn vorsichtig.
Der Faden vibrierte leise – wie ein leises Summen unter der Haut.
„Ich glaub, das ist kein echter Faden“, sagte sie.
„Das ist... was zwischen uns.“
„Eine Verbindung?“, fragte Ferdinand.
„Ein Gefühl? Freundschaft? Erinnerung? Liebe?“
„Vielleicht alles. Vielleicht... wir.“

Der Faden führte weiter – bis zu einem alten Baum.
Knorrig. Still.
Und dort endete er.
Oder begann.

Hilde setzte sich.
Ferdinand rollte sich daneben ins Moos.

„Weißt du, Flauschi“, sagte sie,
„wir tun oft so, als wären wir allein. Aber das stimmt nicht.
Irgendwie... ist da immer ein Faden.
Zwischen mir und dir. Und zwischen uns und allem anderen.“

Ferdinand schnurrte leise.
„Solang du ihn nicht zu einem Pullover verstrickst...
ist das okay für mich.“

 

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