Es begann ganz leise.
Mit einem Nicken.
Und dann – mit Schweigen.
Der Specht wollte „Ja“ sagen.
Doch es kam nur ein Krächzen.
Die Eule wollte „Nein“ rufen.
Doch ihr Schnabel blieb stumm.
Und dann spürte es der ganze Wald:
Die Wörter sind weg.
Nicht alle.
Nur die wichtigsten.
Das „Ja“.
Und das „Nein“.
„Ich kann nicht zustimmen!“, jammerte der Dachs.
„Ich kann niemandem mehr widersprechen!“, piepste die Maus.
„Ich hab schon dreimal zu einem Tanzwettbewerb genickt!“, heulte der Igel.
Der Wald war... verwirrt.
Zögernd.
Entscheidungslos.
Ein bisschen wie ein Pudding mit Grübelglitzer.
Hilde runzelte die Stirn.
„Flauschi, ich glaube... jemand hat unsere Worte gestohlen.“
Ferdinand schlürfte Tee. „Oder sie sind weggelaufen. Aus Protest.“
Also begannen sie zu suchen.
Unter Steinen.
In alten Munkelgeschichten.
In den Höhlen der Murmeltiere.
Doch nichts.
Dann hörten sie es.
Ein leises Kichern.
Ein Flüstern zwischen den Bäumen:
„Zu viele Jas. Zu viele Neins. Wir haben sie uns geholt. Jetzt wird’s interessant.“
Ein Wesen tauchte auf.
Halb Nebel. Halb Buchstabe.
Ein Wortschleicher.
Geformt aus all den Ja-Neins, die zu früh gesagt wurden.
Oder zu spät.
Oder gar nicht.
„Ihr habt uns zu oft benutzt“, wisperte es.
„Aus Angst. Aus Höflichkeit. Aus Faulheit.
Also nehmen wir uns... eine Pause.“
Hilde trat mutig vor.
„Aber wir brauchen unsere Worte!
Um zu wissen, wofür wir stehen. Und wogegen.
Was wir fühlen.
Was wir meinen!“
Der Wortschleicher schwieg.
Dann flüsterte er:
„Zeigt mir, wie viel sie euch bedeuten.
Ohne sie zu benutzen.“
Und so spielten sie.
Sie nickten.
Stampften.
Tanzten.
Schüttelten Köpfe.
Hoben Daumen.
Zeigten mit den Augen, mit den Pfoten,
mit dem ganzen Herzen.
Und der Wald... verstand.
Ohne Worte.
Aber ganz genau.
Da flogen zwei kleine, leuchtende Silben zurück in die Luft.
Ein flüsterndes „ja“.
Ein deutliches „nein“.
„Nehmt sie“, sagte der Wortschleicher.
„Aber benutzt sie gut.“
Hilde und Ferdinand fingen sie behutsam auf.
Der Wald atmete auf.
Die Gespräche flossen wieder.
Die Entscheidungen wurden echter.
Nicht aus Gewohnheit.
Sondern aus Gefühl.
Am Abend saßen sie im Moos.
„Weißt du, Hilde“, sagte Ferdinand,
„ich hab heute ganz viel gedacht. Und gefühlt. Und gezuckt.“
„Und was willst du mir sagen?“
Ferdinand lächelte.
„Ja.“
Hilde grinste.
„Nein.“
Und dann lachten sie beide.
Ganz echt. Ganz laut. Ganz da.

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