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Die Wilde Hilde und das sehr eingebildete Einhorn

 


Es war ein stiller Morgen.
Zu still.
Nicht mal die Munkelrotte munkelte.
Hilde spitzte die Ohren.
„Ich hab ein komisches Gefühl“, murmelte sie.
„Du hast immer ein komisches Gefühl, wenn die Vögel keine Meinung haben“, brummte Ferdinand.

Doch dann –
hörten sie es.
Ein leises, helles: „Schaut mich aaan!“
gefolgt von… Glitzerhusten.
Sie folgten dem Glimmer.
Durch Büsche.
Über Moos.
An irritierten Ameisen vorbei.
Und dann sahen sie es:

Ein Einhorn Mit wallender Mähne.
Funkelnden Hufen. Und einem regenbogenfarbenen Stirnband.
Es posierte auf einem Baumstumpf, warf das Horn in den Wind und rief:
„Oh, seid ihr gekommen, um mich zu bewundern? Ich versteh das total.“

Hilde blieb stehen.
Ferdinand hob eine Augenbraue.
Die Munkelrotte starrte fassungslos.
Eins flüsterte:
„Das ist kein Einhorn. Das ist ein Aufmerksamkeitssturm im Glitzerpelz.“
„Und wer bist du?“, fragte Hilde.
Das Einhorn lachte „Ich bin Nubo, das Majestätische. Das einzig Echte. Das Seltene. Das Begehrte. Das emotional hochsensible, kreative Einzelwesen mit Flair.“
Ferdinand murmelte trocken:
„Na super. Ein sprechender Influencer auf vier Hufen.“

Doch je länger sie Nubo beobachteten,
desto mehr merkten sie:
Etwas stimmte nicht. Der Glanz war... aufgesetzt.
Das Lächeln zu groß.
Die Stimme zu laut.

„Wollt ihr ein Autogramm auf Moos? Ein Selfie mit Schweif?“
„Ich glaub, du brauchst Tee“, sagte Hilde.
„Was ich brauche... ist eine Bühne. Und Applaus. Und...“
Nubo stockte. Dann, ganz leise: „...vielleicht jemanden, der bleibt.“

Hilde und Ferdinand sahen sich an.
Dann setzten sie sich einfach dazu.
Keine Fragen.
Kein Glitzer.
Nur... Stille.

Ferdinand sagte leise:
„Weißt du, Nubo... du musst nicht funkeln, damit wir dich sehen.“
Hilde nickte.
„Oder groß reden, damit wir dir zuhören.“
Nubo wurde ganz still.
Das Horn senkte sich ein wenig.
Die Mähne wirkte plötzlich weniger... bühnenreif.
Und dann kullerte eine Glitzerträne über seine Wange.
„Ich hatte Angst, dass ich nur dann zähle, wenn ich leuchte.“

Ferdinand schnaubte liebevoll.
„Blödsinn. Du zählst, wenn du atmest. Und das tust du – ziemlich eindrucksvoll.“

Seitdem war Nubo Teil der Bande.
Er blieb gern auffällig.
Er glitzerte manchmal unabsichtlich.
Aber er lernte:

Zuhören glitzert auch. Nur anders.

 

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