Es war ein gewöhnlich-ungewöhnlicher Nachmittag.
Hilde wollte eigentlich nur Pilze sammeln.
Ferdinand wollte eigentlich nur Mittagsschlaf machen.
Und doch standen sie plötzlich beide vor einem riesigen Paket.
Mitten auf der Lichtung.
Keine Schleife. Kein Absender.
Nur ein kleines, leicht zerknittertes Etikett, auf dem stand:
„Nicht öffnen. Außer du musst.“
„Müssen wir?“, fragte Ferdinand.
„Ganz klar: Ja“, sagte Hilde.
Sie drückte, zog, rüttelte und pustete.
Doch das Paket rührte sich nicht.
Ferdinand tippte mit der Pfote dagegen.
Rumpel. Brumm.
Und dann – ein leises, freches:
„Hihihihihi...“
„Das Ding lacht!“, quietschte Hilde.
„Ich sag doch, wir sollten es NICHT öffnen“, brummte Ferdinand.
„Und genau deshalb müssen wir es aufmachen!“, rief Hilde.
Sie versuchten alles:
Mit einem Rüssel aus Algen, geflochten von einer Kröte
Mit einem Lied, das ein Specht dazugeschrieben hatte
Mit einem Rätsel, das niemand verstand – nicht mal der Rätselstein
Doch das Paket blieb verschlossen.
Stur. Geheimnisvoll. Und kichernd.
Also taten sie etwas, was sie sonst nie taten:
Nichts.
Sie setzten sich davor.
Leise.
Wartend.
Hörend.
Und dann…
öffnete sich das Paket von selbst.
Ganz langsam.
Ohne Krach. Ohne Knall.
Darin war kein Schatz. Kein Monster. Kein Zauberschnickschnack.
Nur ein Spiegel.
Und ein kleiner Zettel:
„Das größte Abenteuer bist du.
Frag nicht, schau hin.“
Hilde beugte sich vor.
Sie sah sich – mit schmutzigen Knien, zerzausten Haaren und funkelnden Augen.
Und plötzlich verstand sie:
Das Paket war nie zum Auspacken gedacht.
Es war ein Wecker für Mut.
Eine Erinnerung an das Staunen.
Ein Spiegel für alles, was man sonst so leicht übersieht.
Ferdinand schaute ebenfalls hinein.
„Ich seh einen Fuchs. Ziemlich flauschig. Ziemlich großartig.“
Hilde grinste.
Dann schloss sie das Paket wieder.
Nahm ihren Glitzerstift und schrieb:
„Noch nicht öffnen. Aber bald.“
Und ließ es stehen –
für den Nächsten,
der vielleicht auch gerade ein bisschen muss.

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