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Die wilde Hilde und das Lied, das niemand singen durfte

Im Wald war es heute leise.



Zu leise.
Sogar die Grillen flüsterten.
Hilde spitzte die Ohren.
„Flauschi, hörst du das?“
„Was genau?“, fragte Ferdinand, der fetzige Fuchs mit dem flauschigen Bauch.
„Nichts. Und das ist verdächtig.“
Am Wegesrand entdeckten sie ein altes Schild.
Schief. Moosbedeckt. Und es glühte ganz leicht.
Darauf stand:

„Achtung! Verbotenes Lied. Nicht singen. Niemals. Unter gar keinen Umständen. Auch nicht heimlich. Nicht mal summen.“

Hilde grinste.
„Klingt nach einer Herausforderung.“
Sie gingen tiefer in den Wald – und da lag es.
Ein Lied.
Wirklich!
Eingerollt wie eine Schnecke aus Noten.
Aus Licht. Und Glimmerstaub.

„Das ist wunderschön!“, rief Hilde.
„Es klingt gefährlich“, murmelte Ferdinand.
„Das ist noch besser.“

Und dann… sang sie.
Nur eine Zeile. Ein Ton. Vielleicht zwei.

Die Welt hielt den Atem an.
Der Boden bebte.
Ein Busch furzte nervös.
Und aus dem Nebel stieg es empor:

Das Unsingbare.

Ein Wesen aus Klang.
Tanzend, schwankend, leuchtend.
Ohne Augen – aber mit riesigen Ohren.
Seine Stimme klang wie flüsternder Donner:

„Wer mich weckt, muss das Lied zu Ende singen.
Aber wehe, du singst falsch.
Dann kitzel ich dich. Für immer.“

Hilde schluckte.
„Ich kann nicht singen!“
Ferdinand flüsterte:
„Ich kenn da wen. Aber es wird… laut.“

Also zogen sie los.
Zum Berg des Brummens.
Dort lebte der Yeti.

Groß.
Zottelig.
Und mit einem Problem:

Er war allergisch gegen Musik.

„Singen?“, brummte der Yeti.
„Ich niess dir die Ohren weg, wenn du nur daran denkst!“
„Aber du bist die einzige Hoffnung!“, rief Hilde.
„Der ganze Wald wird sonst ewig verkitzelt!“

Der Yeti seufzte.
Schielte zur Seite.
Und dann… tat er es.

Er sang.

Tief.
Laut.
Herzzerreißend falsch.

Der Wald zitterte.
Das Unsingbare kreischte.
Dann verbeugte es sich
– und zerplatzte in einer Wolke aus Seifenblasen.

Der Yeti nieste einen Wasserfall.
Ferdinand verteilte Taschentücher.
Hilde grinste.

„Also“, sagte sie, „das nächste Mal lassen wir Lieder einfach liegen, ja?“
Ferdinand nickte.
Dann summte er. Ganz leise.
Und Hilde stimmte ein.
Nur ein bisschen.

 

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