Es war ein ganz normaler Tag im Wald.
Die Sonne blinzelte durch die Blätter.
Hilde hing kopfüber an einem Ast.
Ferdinand versuchte, in aller Ruhe ein Marmeladenbrot zu essen –
ohne dass ein Dachs daneben über Existenzfragen philosophierte.
Dann passierte es.
KWIEPI!!!
Ein gelber Blitz raste durch die Luft.
Links. Rechts. Hoch. Runter. Rückwärts.
Ein gefiedertes Etwas voller Energie und absoluter Planlosigkeit.
Mit einem lauten Plopp landete
er mitten auf der Lichtung:
Ein kleiner, rundlich-flatternder, hochgradig aufgeregter Ball
aus Federn, Wirbelwind und purer Unlogik.
Er zitterte.
Er strahlte.
Er quietschte:
„Kwiepi! KWIEPI!! KIWI!!!“
Hilde verlor fast den Halt.
Ferdinand erstarrte – mit Marmelade auf der Nase.
Der gelbe Wirbel sauste an ihnen vorbei,
schnappte sich eine Kiwi, die eigentlich gar nicht da war,
warf sie in die Luft, vergaß sie, sammelte sie wieder auf –
und vergaß sie erneut.
„Was… war… DAS?“, fragte Ferdinand.
„Ich glaube… ein Kwiepi“, flüsterte Hilde.
„Ein was?“
„Ein… Kwiepi. Das Geräusch. Das Wesen. Das ganze Ding.“
Kwiepi flatterte im Kreis.
Er redete mit einer Eichel.
Dann mit einem Blatt.
Dann mit seinem eigenen Schatten.
„Kwiepi will ALLES! Jetzt! Kiwi! Fliegen!
Hüpfen! Baumfangen!
WAS MACHEN WIR JETZT??“
Die Munkelrotte erschien.
Stocksteif. Schockstumm.
Ein Munkel flüsterte:
„Wir... wissen nichts über ihn.“
Ein anderes zitterte:
„Er macht zu viel Lärm. Die Gerüchte kommen nicht mehr durch!“
Hilde trat näher.
Ganz vorsichtig.
„Hey… Kwiepi? Alles gut bei dir?“
„Kwiepi IST GUT! Kwiepi ist FLIEGEN!
WACKELN! TUN! Jetzt! Alles! Mehr!!“
Ferdinand verdrehte die Augen. „Weil Gehirne, die nicht in Zuckerschock
baden, Dinge nacheinander machen.“
„Langweilig!“, quietschte Kwiepi. „Du bist LANGSAM! Ich bin Kwiepi!“
Und dann – flog er.
Aber nicht einfach so.
Er flog alles.
Er baute ein Nest im Flug.
Er schnatterte ein Lied mit den Flügeln.
Er versteckte fünf Kiwis in einer Höhle, die gar nicht existierte.
Bis…
PLOPP.
Er flog frontal gegen einen Baum.
Und fiel… direkt in Ferdinands Bauchplüsch.
Ruhe.
„Kwiepi müde“, flüsterte er.
„Möglich“, murmelte Ferdinand. „Du hast gerade zehn Tage in zwanzig Minuten
gelebt.“
„Kwiepi… kaputt.“
„Dann bleib kurz... hier.“
Hilde legte eine Kiwi neben ihn.
Ganz still.
„Man darf alles wollen, Kwiepi“, sagte sie leise. „Aber manchmal ist das
Beste... nur eins. Jetzt. Dann das Nächste.“
Kwiepi zuckte im Schlaf. „…Kwie…pi… später…“
Die Munkelrotte kehrte zurück.
Die Vögel sangen wieder.
Ferdinand atmete tief durch. „Ich schwöre“, murmelte er, „wenn der morgen
wieder Kiwis an meine Stirn klebt...“
Aber er lächelte. Ganz leicht.

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