Es war einer dieser Tage,
an denen der Wind irgendwie... komisch war.
Nicht laut. Nicht kalt.
Eher wie ein Flüstern, das man nicht ganz verstand.
So ein "Ich sag was, aber du hörst es nicht richtig"-Wind.
Hilde saß auf einem Baumstumpf.
Die Stirn gerunzelt.
Der Blick in die Ferne.
Und ihr Grashalm… war bis zum letzten Molekül zerknabbert.
Ferdinand rollte langsam heran.
Er sah sie an.
Sie sah nicht zurück.
„Hilde? Alles okay?“
Keine Antwort.
„Hast du was gegessen, was du nicht essen solltest?“
Kopfschütteln.
„Hast du einen Munkeltraum gehabt?“
Noch ein Kopfschütteln.
„Denkst du zu viel?“
Ein leises Nicken.
„Worüber?“
„Über... alles.“
Hilde rutschte vom Baumstumpf.
Begann auf und ab zu laufen.
„Was ist, wenn ich falsch bin?“
„Falsch? Wie ein schiefer Baum?“
„Ja. Oder wie ein Witz, den keiner versteht.“
„Was ist, wenn ich irgendwann verschwinde und keiner merkt’s?
Oder wenn ich ganz laut bin und keiner hört mich?
Oder wenn ich aufwache und... gar nicht mehr weiß, wer ich bin?“
Ferdinand blinzelte.
Drehte sich einmal im Kreis.
Dann rollte er sich direkt vor ihre Füße und sagte:
„Setz dich.“
Hilde zögerte.
Dann ließ sie sich plumpsen – mit dem Kopf auf seinen Bauch.
„Was machst du da?“, fragte sie.
„Nichts.“
„Das hilft nicht.“
„Doch. Das ist das Einzige, was hilft, wenn Denken zu viel wird.“
Er legte seinen Schweif über sie.
Warm. Schwer. Sicher.
„Willst du Tee?“
„Ja.“
„Dann bleib hier. Ich mach dir welchen.
Aber du bleibst liegen. Damit du nicht weiterdenkst.“
Später kam er zurück – mit Kräutertee, einem Munkelkeks
und einer Wärmflasche in Form eines Dachses.
Hilde trank.
Kaute.
Schwieg.
Ferdinand setzte sich neben sie.
Und nach einer Weile sagte er:
„Weißt du…
du musst nicht alles lösen.
Nicht alles verstehen.
Und nicht alles sein.“
„Aber... was bin ich dann?“
„Du bist Hilde.“
„Und wenn das mal nicht reicht?“
„Dann bin ich da. Und halt ein bisschen mit.“
Sie nickte.
Ganz leicht.
Dann legte sie sich wieder hin.
Und atmete.
Der Wind wehte noch immer.
Aber nicht mehr in ihr.

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