Es war ein Dienstag.
Hilde hasste Dienstage.Sie waren zu ordentlich.
Zu still.
Zu… Dienstag eben.
Sie wollte gerade den Bau fegen.
Also – darüber nachdenken.
Da fiel ein Brief vom Himmel.
Direkt auf ihren Kopf.
„Autsch! Post mit Anlauf!“, rief sie und rieb sich die Stirn.
Der Umschlag war aus schimmerndem Regenbogenpapier.
Der Absender lautete:
Hilde. Von später.
„Ich? Mir? Von mir?!“, staunte sie.
Ferdinand schnupperte misstrauisch.
„Riecht nach Zauberquatsch. Lies mal!“
Hilde öffnete den Umschlag vorsichtig.
Und las laut vor:
„Mach am Dienstag NIEMALS das
Fenster auf.
Niemals. Nicht mal lüften. Nicht mal gucken.
Wirklich nicht.
Mit Liebe, du.“
Sie blinzelte.
Dann grinste sie.
„Herausforderung angenommen!“
Sie öffnete das Fenster.
Plopp.
Ein Strudel.
Ein Lichtblitz.
Ein Zooooop!
Und weg war sie.
Sie landete – platsch! – in einem riesigen Zimmer.
Es roch nach Räucherstäbchen und altgewordener Pizza.
Vor ihr stand eine alte Frau mit drei Hüten.
Sie trug einen Umhang aus Zeitungspapier
und tanzte auf einem Teppich aus Toast.
„Na endlich“, sagte die Frau.
„Ich bin du. Aus der Zukunft. Willkommen in deinem später.“
Hilde starrte.
„Ich werd SO?!“
„Nicht zwingend. Nur wenn du das Fenster aufmachst.“
„Und der Kaktus?“
Ein Kaktus mit Brille nickte.
„Ich bin ihr Mitbewohner. Ich denke viel nach. Zum Beispiel: Warum haben Donuts
Löcher? Und wo gehen verlorene Socken wirklich hin?“
Hilde setzte sich.
Sie trank Lavendel-Limo.
Aß Zeitpudding.
Es war alles schräg.
Und ein kleines bisschen großartig.
„Aber… warum der Brief?“, fragte sie irgendwann.
„Damit du wählen kannst“, sagte Zukunfts-Hilde.
„Fenster zu: Alltag.
Fenster auf: Abenteuer.
Mit Umweg. Mit Quatsch. Mit Kaktus.“
Hilde dachte nach.
Dann lachte sie.
„Na gut. Dann bleib ich ein bisschen.“
Ein paar Stunden – oder Jahre? – später landete sie wieder im
Jetzt.
Ferdinand schnarchte auf dem Sofa.
Der Brief lag noch da.
Aber diesmal mit einem Nachsatz:
„P.S.: Danke für den Besuch. Bring das nächste Mal Kekse mit.“
Hilde grinste.
„Ich glaub, ich schreib mir auch mal selbst“, murmelte sie.
„Vielleicht vergesse ich ja, wie cool ich bin.“

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